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Was Leseförderung und Hocker gemein haben

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Die selbstgebauten Bücherhocker laden zum Lesen ein. © Hubert Trillsam

Sobald man die NMS St. Johann am Walde betritt, machen sich die vielfältigen Initiativen zur Leseförderung der Schule bemerkbar: die von den Schülerinnen und Schülern handgeschriebenen Bücherempfehlungen auf den Präsentationswänden im Eingangsbereich sind dabei nur eine Verwirklichung von vielen. Der engagierte, ehemalige Schuldirektor Hubert Trillsam hat mit einer Hand voll Schülern sogar ältere Ausgaben des Österreichischen Wörterbuchs (kurz ÖWB) in Form von Bücherhockern wiederbelebt.

„Ich habe über 20 Jahre eine öffentliche Bibliothek geleitet und immer ein bisschen gelitten, wenn Altbestände als Altpapier entsorgt wurden. Daher habe ich zu experimentieren begonnen, wie man Bücher in Form von Sitzgelegenheiten erhalten könnte. Mittlerweile habe ich beinahe Serienreife erreicht, im Bekanntenkreis wird fleißig getestet.“, so Hubert Trillsam, dessen Bücherhocker nun auch die NMS St. Johann am Walde schmücken.

LESEFÖRDERUNG IM WERKUNTERRICHT

Unter der Anleitung des engagierten Direktors haben Schülerteams aus den Werkgruppen der 4. Klassen gemeinsam veraltete Wörterbücher in sieben Reihen zwischen lederner Sitzauflage und stabilem Holzboden geschichtet, verleimt, verschraubt und mit Rollen mobil gemacht. Kein leichtes Unterfangen, wenn man die kompakte Schulausgabe mit der umfangreicheren Buchhandelsausgabe des Österreichischen Wörterbuchs kombiniert, weiß ÖWB-Chefredakteurin Dr. Christiane Pabst, die sich ebenfalls über einen Bücherhocker freuen durfte:

Dr. Christiane Pabst im Gespräch mit Hubert Trillsam

„Die Buchhandelsausgabe enthält denselben Stichwortteil wie die Schulausgabe, bildet aber zusätzlich noch den gesamten Wortlaut des aktuellen amtlichen Regelwerks sowie Hinweise zu Sprache und Stilschichten, Übersichten und Tabellen zum Österreichischen Deutsch sowie tiefergehende Informationen zur Rechtschreibung und Grammatik ab.“

 

 

Kein Wunder also, dass der unterschiedliche Buchumfang den Beteiligten einiges abverlangt hat, um auf eine ebene Sitzfläche zu kommen. „Da spürt man jede weitere Seite“, nimmt es Trillsam mit Humor.

BÜCHER SOWEIT DAS AUGE REICHT

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: in einer Doppeleinheit Werkstunde entsteht aus 24 Wörterbüchern ein Bücherhocker, der in der Leseecke der Schulbücherei genauso wie zu Füßen der Bücher-Präsentationswände auf den Gängen zum Schmökern einlädt.

„Die Idee war, dass Bücher den Schülern möglichst überall begegnen“, erklärt Trillsam, „Nicht nur in unserer Bücherei, sondern bereits in den Gängen.“ Genau dort, wo sich morgens vor Unterrichtsbeginn und in den Pausen die Schülerinnen und Schüler besonders gerne aufhalten.

ROLLENDE LESESTUNDE

Die Initiativen zur Leseförderung machen auch nicht vor den Klassenzimmern Halt. Mehr Lesezeit quer durch alle Fächer wird an der NMS St. Johann am Walde durch das Lesefördermodell der  „Rollenden Lesestunde“ geschaffen: Während des Schuljahrs „rollt“ eine Lesestunde durch den gesamten Stundenplan.

Jeden ersten Montag im Monat initiiert Marianne Stefl in ihrer Rolle als Schulbibliothekarin Büchervorstellungsrunden – für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrende gleichermaßen. „Sodass auch wir Lehrer lesen müssen“, meint Stefl schmunzelnd. Die Vorbildwirkung der lesenden Lehrerin, des lesenden Lehrers wirkt sich dabei positiv auf die Lesemotivation der Schülerinnen und Schüler aus:

„Die Schüler sind mit Elan dabei, sodass es in der Schule mucksmäuschenstill ist. Es lesen ja alle gleichzeitig.“

Ein weiterer Schlüssel für die Lust am Lesen? „Die Jugendlichen bei der Buchauswahl mit ins Boot zu holen ist essentiell.“, ist Stefl überzeugt, die die Leseratten beim Buchankauf für die Schulbücherei schon einmal mitentscheiden lässt.

Bei den Schülerinnen der NMS ST. Johann am Walde steht momentan vor allem Fantasy hoch im Kurs, und sie sind sich einig: „Ein bisschen Romantik, die darf auch sein.“

    • Auf Schulbesuch: v.r.n.l. ÖWB-Chefredakteurin Christiane Pabst (öbv) neben Schulbibliothekarin Marianne Stefl, der neuen Direktorin Claudia Landrichinger mit ihrem pensionierten Kollegen Hubert Trillsam sowie Daniela Lindner (öbv) umrahmt von einigen der Schülerinnen, die am Hockerbau beteiligt waren und für ihr Leben gerne eines tun: Lesen