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Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien vermitteln

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Online gehen, Computer und Smartphones bedienen oder Apps nutzen stellt für die meisten Kinder heutzutage keine große Hürde mehr dar. Umso wichtiger ist es, ihnen früh Medienkompetenz zu vermitteln. Das neue Arbeitsheft „Die digitale Welt richtig nutzen” für Volksschulkinder in der 3. und 4. Klasse ist die ideale Unterstützung. Ulrike Mair ist Infotrainerin im Ars Electronia Center in Linz und richtet sich in ihren Ausführungen zu diesen Themen direkt an Lehrkräfte.

Die Anforderungen an den Inhalten zur Mediennutzung im Sachunterricht steigen. Der Umgang mit elektronischen Medien und Geräten variiert stark von Kind zu Kind bzw. unter den Familien. Was ist mit diesem Hintergrund im Sinne des Lehrauftrages möglich und wie kann eine konkrete Umsetzung in der Klasse aussehen? Zu Beginn steht die Rolle der PädagogInnen und ihr Einsatz von elektronischen Medien im Unterricht. Das ist, was die Kinder unmittelbar erleben und vorbildhaft aufnehmen. Nachdem in der Volksschule üblicherweise eine Lehrkraft alle Fächer abdeckt, hat sie gestalterischen Freiraum und kann in der Durchführung Prinzipien anwenden, die den körperlichen und geistigen Entwicklungsphasen der Kinder entsprechen. Die Einschätzung hierzu liegt bei der Lehrperson selbst.

Anmerkung: Die Bezeichnung „Arbeitsheft” im Text bezieht sich auf das Arbeitsheft „Die digitale Welt richtig nutzen 3/4”.
Medienheft, Kommunizieren und kooperieren
Medienheft, S. 28, Kommunizieren und kooperieren

Mit Maß und Ziel

Wir wollen den Kindern helfen ein Gefühl für „Maß und Ziel” zu entwickeln. Der Einsatz von elektronischen Medien soll den Unterricht unterstützen, jedoch nicht vereinnahmend sein und anderen Methoden stets vorgezogen werden. Jeder Kommunikationsweg hat eine eigene Qualität (Arbeitsheft, S. 29 Kapitel „Kommunizieren und kooperieren”). Überlegen Sie sich einen kreativen Tagesablauf. War in der ersten Stunde eine Projektion mit gemeinsamer Internetrecherche, ein Film oder ein Lernspiel am Computer am Programm, darf der folgende Unterricht mit einem stärkeren Fokus der haptischen Anregung der Kinder einhergehen. Erlauben Sie sich Abwechslung in der Unterrichtsgestaltung und mindestens einen Tag in der Woche, wo Sie gänzlich auf elektronische Medien verzichten. Das kann „den Hunger” der Kinder danach wieder steigern und sie erzielen optimale Lernerfolge. Unser Gehirn braucht diese Pausen!

Die „sensorischer Integration”

In Zeiten, in denen digitale Medien und elektronische Geräte den Einzug in die Klassenzimmer halten, sollten wir als PädagogInnen eine Priorität darauf legen diesen schnellen Informationsfluss auszugleichen. Damit geben wir den SchülerInnen den nötigen Raum alle Eindrücke zu verarbeiten. Wir vermeiden eine Überreizung des Nervensystems, dass sich in Unruhe und Nervosität äußern kann. Schaffen Sie deshalb bereits im Vormittagsunterricht Angebote, die verschiedene Wahrnehmungskanäle der Kinder bedienen. Es reichen Kleinigkeiten, die Sie sich ohne großen Aufwand zurechtlegen und bei Bedarf zwischendurch einsetzen:

  • Eine Aktivierung der Hände durch Knetmasse, Antistressbälle oder eine kleine Bastelarbeit.
  • Bewegung und Auflockerungsübungen bei offenen Fenstern im Klassenraum. Nutzen Sie auch den Schulgarten häufig.
  • Gemeinsam ein Lied singen.
  • Sprechen Sie mit den Kindern wie es ihnen geht, wie sie sich fühlen.

Durch die Maßnahmen sollen SchülerInnen lernen, später von sich aus, diesen Ausgleich zu suchen. Eine Grundlage, um rechtzeitig auf eigene Bedürfnisse zu achten und sich nicht in der Medienwelt zu verlieren.

Medienheft, S. 37, Cybermobbing erkennen
Medienheft, S. 37, Cybermobbing erkennen

Kommunikation digital und analog

Was am Schulhof nicht gelingt, gelingt auch nicht in den sozialen Netzwerken. Durch die Anonymität und Barriere im digitalen Raum sinkt die Hemmschwelle im sozialen Miteinander. Wir sprechen schlimmstenfalls vom sogenannten Cybermobbing (Arbeitsheft, S. 37 Kapitel „Cybermobbing erkennen”). Konfliktsituationen sollten in jedem Fall besprochen werden. Nehmen Sie sich diese Zeit, auch wenn vermeintlich wichtigere Themen hintangestellt werden müssen. Besprechungen im Sesselkreis oder im Dialog mit unmittelbar Beteiligten gehören zu einer gelebten Kommunikationskultur. Erlauben Sie den Kindern zu erzählen und sich ohne Bewertung auszudrücken. Dadurch ermöglicht man den SchülerInnen eine Reflexion und ggf. Korrektur des eigenen Verhaltens. Im Arbeitsheft ab S. 52 Kapitel „Analysieren und reflektieren” finden Sie weitere wertvolle Anregungen, um Diskussionsrunden zu starten (z. B. „Gefahren in sozialen Netzwerken erkennen”, „falsche Freunde erkennen”) sowie Übungsbeispiele.

Tipp: Auf der Verlagswebsite finden Sie 10 kostenlose Erklärfilme passend zu den Kapiteln im Arbeitsheft.
Medienheft, Tablets und Smartphones bedienen
Medienheft, S. 13, Tablets und Smartphones bedienen

Anwendungen am Computer

Bei der Nutzung von digitalen Geräten sollte die Devise „weniger und intensiver” als „viel und oberflächlich” lauten. Konzentrieren Sie sich auf wenige Inhalte, die Sie immer wieder fächer- und themenübergreifend in Ihrem Unterricht einbringen. Beispiel: „Mit dem Computer schreiben und Dateien ablegen” im Medienheft ab Seite 7. Beginnen Sie mit einzelnen Wörtern und Zahlen (schreiben und rechnen) als Aufgabe. Wählen Sie Anwendungen, die Sie persönlich und Ihre Klasse ansprechen, z. B. ein Daumenkino gestalten oder ein Hörspiel aufnehmen (Arbeitsheft, S. 40 Kapitel „Produzieren und präsentieren”). Die Wiederholung dient der Festigung und somit dem Erfolgserlebnis im Umgang mit dem Programm. Nach dem Motto: Was man kann, macht Freude. Außerdem lernen die SchülerInnen Computeranwendungen im sich veränderndem Kontext des jeweiligen Unterrichtsthemas einzusetzen. Zeigen sich Spezialinteressen oder Begabungen, können Sie diese fördern, ohne das Klassenziel zu vernachlässigen. Schlagen Sie dem Kind individuell Übungsbeispiele oder Internetlinks aus dem Medienheft vor, empfehlen Sie Literatur oder außerschulische Angebote (z. B. Workshops in Museen). Lassen sie das Kind ein Referat oder ähnliches zum Thema gestalten. Setzen Sie auch die Eltern darüber in Kenntnis.

Das Museum der Zukunft

Der Fokus im Ars Electronica Center in Linz, liegt darauf, die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Veränderungen durch den Einsatz von Technologie sichtbar zu machen und zu reflektieren. Im Laufe der Jahre haben Kunst und KulturvermittlerInnen eine gewisse Expertise darin gewonnen, wissenschaftliche Themen und Technik an Kinder im Volksschulalter heranzuführen. Die Kunst als Katalysator ist uns hierbei sehr hilfreich. Tausende SchülerInnen führten wir in den letzten Jahren durch unsere Ausstellungen, wir diskutierten verschiedene Themen rund um Digitalisierung und Technologie. Bei den Ausführungen, wie wir Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien vermitteln, war mir wichtig, mich auf ein paar wenige, jedoch wesentliche Punkte zu beschränken.  Sie sollen als Anregung und Wegweiser für die tägliche Praxis der PädagogInnen dienen.

Medienwelt und Umwelt

Als letzten Appell an uns Erwachsene möchte ich noch einen Gedanken zur Reflexion einwerfen, der leider bei der Debatte rund um Digitalisierung und unsere Kinder selten ins Spiel kommt: Ein Smartphone ist kein Spielzeug! Es ist ein Gerät voller wertvoller Rohstoffe. In einem Mobiltelefon stecken über 60 verschiedene, u.a. auch Metalle. Sowohl der Bau der Minen, als auch deren Betrieb sind umweltschädlich. Zum Großteil befinden sich diese in Schwellen- und Entwicklungsländern. Nicht selten sind in diesen Gebieten Bürgerkriege und gewaltsame Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit diesen Rohstoffen zu beobachten. Dazu kommen die Anfertigung der Platinen, Transportwege und kurze Nutzungsdauer, die diese Geräte zu einem ökologisch und ethisch fragwürdigem Produkt machen. Wenn wir über Generationen eine Freude an den Möglichkeiten der Technologie haben wollen, müssen wir diese Zusammenhänge mit in unsere Überlegungen rund um die Digitalisierung einbeziehen und den Umgang damit verändern.

Über die Autorin

Ulrike MairUlrike Mair ist Infotrainerin im Ars Electronica Center Linz und  Autorin des Buches ‚Da ist Tardi‘ ein Bärtierchen im Ars Electronica Center. Das Buch vermittelt naturwissenschaftliche und technische Themen verpackt in einer Geschichte für 4- bis 12-jährige. Mair ist außerdem Freizeitbetreuerin und Erzieherin in der GTS Feldkirchen an der Donau,  Mentorin bei „hello world”, einem außerschulischen Angebot, um Technik und Technologie an Kinder bis 12 Jahre zu vermitteln.

Quellen

In meinen Überlegungen zu diesem Artikel beziehe ich mich unter anderem auf Erkenntnisse folgender Wissenschaftlerinnen: Psychologin A. Jean Ayres („Bausteine der kindlichen Entwicklung”), Neurowissenschaftlerin Dr.in Manuela Macedonia („Gehirn für Einsteiger und Bewege dich und dein Gehirn sagt Danke”), Roboterpsychologin und Universitätsprofessorin an der JKU Linz Dr.in Martina Mara (Artikel in den OÖ Nachrichten „Jugendliche und ihre Arbeitswelt vonmorgen”); Weitere Inspiration: „anatomy of an AI system” Ausstellungsinhalt im Ars Electronica Center. Danke an alle PädagogInnen und KollegInnen, die mir in Gesprächen ihre Praxiserfahrungen und Ansichten zum Thema mitgeteilt haben.

Tags : Digitale GrundbildungMedienheftSachunterricht