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Kinder auf der Flucht

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Foto: Jordan Whitt // StockSnap

Die aktuelle Ausgabe der pädagogischen Zeitschrift Erziehung und Unterricht widmet einen der beiden Schwerpunkte dem Thema „Kinder auf der Flucht“. Zahlreiche Artikel beleuchten dieses wichtige und aktuelle Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Viele Menschen fliehen weltweit vor Krieg, Verfolgung, Klimakatastrophen und Hunger. Unter ihnen sind besonders viele Kinder und Jugendliche. Auch in Österreich kamen und kommen Kinder und Jugendliche an, die oft Furchtbares erlebt haben und für die die Schule einen sicheren Ort darstellt.

Die neue Umgebung für die Kinder und Jugendlichen ist herausfordernd, bietet aber viele Chancen neben allen Belastungen: die Sprache will gelernt werden, in der ungewohnten Kultur gilt es sich zurechtzufinden und neben all dem zu Lernenden ist der Aufenthalt nicht gesichert.

Schule kann wesentlich dazu beitragen, dass diese Schutzbefohlenen einen guten und sicheren Ort erleben, der ihnen Bildungs- und Lebenschancen eröffnet. Der Teilschwerpunkt von Erziehung und Unterricht, Ausgabe 2018 | 7+8 bietet Unterstützung und Orientierung zur Bewältigung dieser anspruchsvollen Aufgabe.


Aus dem Vorwort von Elfie Fleck und Gabriele Khan-Svik

Lassen Sie uns das Thema „Kinder auf der Flucht“ unkonventionell eröffnen. Wir laden Sie ein, mit uns ein kleines Gedankenexperiment zu machen.

  • Stellen Sie sich bitte vor, was in Ihrem Leben passieren oder passiert sein müsste, das Sie dazu bewegen würde, Ihre Heimat, Ihre Verwandten, Ihre Freunde und Freundinnen, Ihre Arbeitsstätte, kurz alles bisher Vertraute schnell zu verlassen?
  • Wie viele Kriegsgräuel oder andere Formen von Gewalt müssten Sie erleben haben, bevor Sie diesen Schritt wagen würden?
  • Wie viel Hunger müssten Sie und Ihre Familie, vor allem Ihre Kinder, ertragen haben, bevor Sie an Flucht denken?
  • Wie viel Unterdrückung aufgrund Ihrer Weltanschauung, Ihrer Religion oder Ihrer sexuellen Disposition müssten Sie ausgehalten haben, bis Sie den Punkt erreicht hätten, an dem Ihnen klar wird, dass die einzige Möglichkeit, die sich Ihnen bietet, ist: weggehen.

Aus den vielen Berichten von Flüchtlingen wissen wir, dass oft unvorstellbare Grausamkeiten, menschliche Tragödien ungeahnten Ausmaßes und völlige Hoffnungslosigkeit erlebt werden müssen, bis der Gedanke an Flucht reift.

Empathie, also die Fähigkeit, sich in die Lage anderer Menschen einzufühlen, setzt zuallererst einmal ein Minimum an Fantasie voraus: Es muss mental möglich sein, von den eigenen Lebensumständen zu abstrahieren und sich vorzustellen, dass alles auch ganz anders sein könnte. Schließlich wird niemand (abgesehen von Babys, die während der Flucht ihrer Mutter das Licht der Welt erblicken) als Flüchtling geboren, aber treffen kann es im Grunde jede/n. Und möglicherweise ist der eine oder die andere von uns auch das Kind oder der Enkel von Flüchtlingen.

Zur Zeit bläst nicht nur den Menschen auf der Flucht ein rauer Wind ins Gesicht, auch wer sich aus unterschiedlichsten Gründen für Flüchtlinge engagiert, wird oft schief angesehen oder als „Gutmensch“ verunglimpft. Apropos: Was ist eigentlich das Gegenteil von „Gutmensch“? Und ist es wirklich erstrebenswert, ein „Bösmensch“ oder „Schlechtmensch“ zu sein?

Zweifellos ist es nicht immer einfach, dem derzeit vorherrschenden Trend etwas entgegenzusetzen. Angesichts der Komplexität des Problems ist Resignation mitunter eine verständliche Reaktion.

Der Teilschwerpunkt von Erziehung & Unterricht hat es sich daher zum Ziel gesetzt, zum einen grundsätzliche Informationen zum Thema Flucht und Asyl im Kontext von (schulischer) Bildung zu liefern und zum anderen konkrete Initiativen und Projekte aus dem Bildungsbereich vor den Vorhang zu holen.

>> Zum Inhaltsverzeichnis Ausgabe 2018 | 7+8


Zu den Koordinatorinnen dieses Themas

Mag. Elfie FLECK, Studium der Anglistik und Romanistik (Lehramt), Lehrerin in der Erwachsenenbildung und an einer allgemein bildenden höheren Schule. Von 1992 bis zu ihrer Pensionierung 2007 Fachreferentin für Migration und Mehrsprachigkeit im Bildungsministerium.

Univ.-Doz. Mag. Dr. Gabriele KHAN-SVIK, seit 2007 (Gründungs-)Vizerektorin für Forschung und Entwicklung, Pädagogische Hochschule Kärnten, Lektorin an den Universitäten Wien und Klagenfurt und der FH Campus Wien. Studium der Erziehungswissenschaft und Soziologie (Doktorat 1984), 2004 Habilitation (Erziehungswissenschaft), Ethnologie (Magisterium 2008). Forschungsschwerpunkte: Interkulturelle Pädagogik, Schulpädagogik.


Erziehung und Unterricht

Erziehung & Unterricht ist DIE pädagogische Zeitschrift in Österreich. Sie informiert über neue Entwicklungen im österreichischen Bildungswesen, bringt Schwerpunkte zu wichtigen bildungspolitischen Themen, bietet nützliche Informationen für die erzieherische Arbeit und setzt sich mit aktuellen Fragen der Schule auseinander.

Tags : Erziehung und UnterrichtKinder auf der FluchtMenschenrechtePädagogikZeitschrift