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Erste Erfahrungen mit der neuen Oberstufe

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Foto: Gizmo / iStockphoto.com

Lesen Sie ein Interview mit Mag. Erich Gabler, der Bundeslandkoordinator für die neue Oberstufe (NOST) in der AHS ist und am BORG Neulengbach unterrichtet, das die NOST bereits seit dem Schuljahr 2012/13 als Schulversuch führt.

Sehr geehrter Herr Gabler, was hat sich durch die neue Oberstufe für SchülerInnen geändert?

Für gute zielstrebige SchülerInnen ändert sich nur wenig, doch generell werden SchülerInnen stark in die Pflicht genommen sich eigenverantwortlich um ihre Schullaufbahn und die schulischen Leistungen zu kümmern. LehrerInnen haben bemerkt, dass die SchülerInnen schon das erste Semester ernst nehmen, da sie sich nun eine negative Note nicht mehr so leicht ausbessern können, sondern bei einem Nicht genügend bereits im Semesterzeugnis eine eigene Semesterprüfung dafür machen müssen.

Mag. Erich Gabler, NOST Bundeslandkoordinator

In jeder Schule muss es nun auch LernbegleiterInnen (empfohlen werden 8-10 Personen pro Schule) geben, die schwachen SchülerInnen helfen, Ihr Lernen zu organisieren, den Überblick über die eigene Schullaufbahn zu behalten und die Prüfungen zu koordinieren. Sie sind also keine „NachhilfelehrerInnnen“. Am BORG Neulengbach empfehlen die Lernberater den SchülerInnen eher mit einer negativen Beurteilung eine Klasse freiwillig zu wiederholen und nicht mit einem Nicht genügend aufzusteigen.

Wenn SchülerInnen nämlich mit einer negativen Note aus dem 1. Semester der 6. Klasse in die 7. Klasse aufsteigen, dann muss diese negative Leistung über eine Semesterprüfung ausgebessert werden, es gibt dann keinen Weg zurück. Daher können sich sogenannte „Parkplatzprüfungen“ ergeben. Im BORG Neulengbach werden diese Prüfungen „Letztentscheidungen“ genannt. Die Lernenden müssen nämlich vor ihrer Reifeprüfung diese negative Beurteilung ausgebessert haben und wenn sie diese Prüfung nicht schaffen, so haben sie nur den Abschluss der 5. Klasse. Durch diese Problematik könnte es vermehrt SchülerInnen geben, die mit 18 ohne Matura aus der Schule ausscheiden und dann nur noch als Externist ihre Matura nachholen können.

Welche großen Veränderungen erwarten die LehrerInnen mit der NOST?

Für LehrerInnen ändert sich strukturell Einiges. Es kommt zu einer größeren Verbindlichkeit für die LehrerInnen, denn nun ist genau festgelegt, welche Lerninhalte in welchem Semester unterrichtet werden müssen. Man kann nicht mehr Themen in ein anderes Semester schieben.

Weiters ist eine genaue Dokumentation der SchülerInnenleistungen notwendig. Dies wird über das Schulmanagementsystem „Sokrates“ abgebildet, wobei es hier noch Kinderkrankheiten auszuräumen gilt. Diese genaue Dokumentation ist notwendig, da es bei Wiederholungen von Semesterprüfungen zu einem Lehrerwechsel kommen kann.

Wenn SchülerInnen eine negative Beurteilung in einem Fach bekommen, so sollten sie auch ein Beiblatt zu ihrem Zeugnis über „Sokrates“ erhalten. Auf diesem Beiblatt sind dann die Inhalte aufgelistet, die die Lernenden nochmals wiederholen müssen. Als offizielles Beiblatt zum Zeugnis enthält dieses nur Lehrplanformulierungen. Damit die SchülerInnen auch wissen, was sie konkret lernen sollen, wird es optional möglich sein auch die Kapitel eines Schulbuchs bzw. die Themen, die die SchülerInnen bei der Semesterprüfung können müssen, im System zu vermerken.

Es gibt weiterhin Wiederholungen und Schularbeiten. Nur wenn SchülerInnen das Semester negativ abschließen, müssen sie eine Semesterprüfung machen, um sich das Nicht genügend auszubessern. Nach einer positiv absolvierten Semesterprüfung bekommen die SchülerInnen dann ein neues Zeugnis, was einen sehr hohen administrativen Aufwand bedeutet.

Was sind bzw. waren die größten Schwierigkeiten mit der NOST im Unterrichtsalltag?

Durch den verkürzten Beurteilungszeitraum wird das Schuljahr generell hektischer. Es gibt kürzere Zeitfenster für Schularbeiten, Frühwarnungen müssen früher ausgesprochen werden, usw. All das macht es nicht gerade einfacher, daher ist die gute Zusammenarbeit mit den FachkollegInnen noch wichtiger als je zuvor.

Was passiert bei schulautonomen Lehrplanregelungen?

Eine Schwierigkeit mit den neuen Lehrplänen ist, dass sie auf die Standardstundentafel angepasst sind, die an vielen Schulen autonom angepasst wurde.

Zum Beispiel ist der Standard-Lehrplan darauf ausgerichtet, dass man sowohl in der 7. Klasse als auch in der 8. Klasse zwei Stunden Chemie hat. Wenn es an einer Schule aber zum Beispiel auch Chemiestunden in der 6. Klasse gibt, muss der Lehrplan von den LehrerInnen selbst semestriert werden. Solche autonomen Verschiebungen passen dann oft nicht zu den Standard-Lehrbüchern. Das Lehrwerk Elemente und Moleküle 7/8 passt hier sehr gut, da man sich frei wählen kann, welche Bereiche man braucht und man kann gut im Buch hin- und herspringen. Weiters gefällt, dass das Buch inhaltlich fundiert ist, sodass die SchülerInnen nachlernen können, wenn sie fehlen bzw. wenn sie sich auf die Semesterprüfungen vorbereiten.

Wie sehen Semesterprüfungen aus?

Grundsätzlich kann die Lehrkraft entscheiden ob die Prüfungen schriftlich oder mündlich stattfinden, in Schularbeitsgegenständen ist auch beides zulässig. Schriftliche Prüfungen müssen in Schularbeitsfächern mindestens 50 Minuten und maximal die Dauer der längsten Schularbeiten einnehmen. In den anderen Fächern dürfen die Prüfungen maximal 50 Minuten dauern und mündliche Prüfungen sind generell mit ca. 15 Minuten anberaumt. Es darf nun nur mehr geprüft werden, was SchülerInnen in einem Semester nicht konnten, also nur jene Bildungs- und Lehraufgaben sowie Lehrstoffe, die zum Nicht genügend geführt haben. Wenn jemand in einer Fremdsprache zum Beispiel mündlich gut und schriftlich schlecht ist, dann gibt es eine schriftliche Prüfung. Daher kommt es zu einer Verschärfung für SchülerInnen.

Wie geht man als Lehrkraft mit den Semesterprüfungen um?

Am BORG Neulengbach haben sich Sammeltermine für Prüfungen als sinnvoll erwiesen, da diese die Organisation erleichtern. Als Lehrkraft stellt man sich dann eine Prüfung über den kompletten Semesterstoff zusammen, um dann bei großen Prüfungsterminen verschiedenen SchülerInnen die jeweiligen Aufgaben geben zu können. Da aber nur noch die negativen Lehrstoffe geprüft werden dürfen, stellt die Lehrkraft dann aus der großen Prüfung meist 3-4 individuelle zusammen.


Mag. Erich Gabler ist Niederösterreichischer Bundeslandkoordinator für die neue Oberstufe (NOST) in der AHS. Am BORG Neulengbach, das die NOST bereits seit dem Schuljahr 2012/13 testet, ist der Chemielehrer für das Schulqualitätsmanagment und die Koordination der neuen Oberstufe zuständig.


Mehr Informationen zur neuen Oberstufe/NOST finden Sie unter www.oebv.at/NOST

 

Tags : LehrplanNeue OberstufeNOST