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Franz Gollenz ist für mich ein Vorbild

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© GettyImages

Franz Gollenz, der Namensgeber von Physik Gollenz verabschiedet sich in den wohlverdienten „Autoren-Ruhestand“. Über 50 Jahre lang hat das Urgestein des Physikunterrichts wie kein anderer das nach ihm benannte Lehrwerk geprägt. Was viele nicht wissen: Der Gollenz ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Physikbuchklassikers von Dr. Karl Rosenberg, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlegt wurde.

Aus diesem Anlass haben wir die Kollegen von Herrn Gollenz, Gustav Breyer, Erich Reichel und Stefan Zunzer zum Gespräch gebeten. Das Autorenteam reflektiert über die Zusammenarbeit mit der Institution Gollenz und erzählt über Entwicklungen im Physikunterricht.

öbv Magazin: Wenn Sie an Herrn Gollenz denken, was fällt Ihnen in Bezug auf die Zusammenarbeit und sein Schaffen als erstes ein?

Gustav Breyer: Vor fast 40 Jahren bin ich zum damaligen Autorenteam „Gollenz – Konrad – Litschauer“ dazugestoßen. Die Erstellung eines 4-färbigen Lehrbuches statt der bisherigen schwarz-weißen Version war damals ein wichtiger Teil der Neubearbeitung. Franz Gollenz hat mich umfassend in die Tätigkeiten eines Schulbuchautors eingeführt und meine ersten Schritte eng begleitet. Es entstand sofort ein großes Vertrauensverhältnis bei der Arbeit, parallel dazu entwickelte sich auch eine echte Freundschaft. Neben seinem hohen fachlichen Wissen zeichneten ihn vorausschauende Planung, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit bei der Arbeit sowie der Hang zur Perfektion aus. Er war für mich Vorbild für meine Arbeit im Team.

Erich Reichel: Ich durfte eine komplette Serie der Neugestaltung des Buches mit Franz erleben. Dabei trug mir das damalige Autorenteam auf, die modernen kompetenzorientierten Aspekte in das Buch einzuarbeiten. Bei vielen Diskussionen mit Franz ist mir aufgefallen, dass er – wahrscheinlich durch seine langjährige Erfahrung – sehr flexibel und unkompliziert mit den neuen Ideen umgegangen ist. Bei strittigen Punkten war er stets um einen Konsens bemüht, welchen er immer sachlich fundiert vortrug.

Stefan Zunzer: Meine Zusammenarbeit mit Franz beschränkte sich leider nur auf die Überarbeitung des zweiten Bandes. Was ich an ihm aber sehr schätze und bewundere ist, dass er, trotz seines fortgeschrittenen Alters, ein hohes Maß an Motivation im Umgang mit modernen Medien besitzt. Denn dieser ist für eine Überarbeitung eines solchen Werks unumgänglich.

öbv Magazin: Wohin entwickelt sich der Physikunterricht der Zukunft und wie wirken sich Digitalität, neue Lehrpläne und Co. auf das Lehrwerk Gollenz Physik aus?

Gustav Breyer: Die Anfangszeit meines Physikunterrichts war unter anderem durch eine sehr dürftige bis überhaupt fehlende Lehrmittelausstattung geprägt. Schülerübungsgeräte waren die seltene Ausnahme. Daher war Improvisation beim Experimentieren gefragt. Das musste natürlich auch bei der Konzeption des Lehrbuches Berücksichtigung finden.

Generell sind bei Neubearbeitungen eines Lehrbuchs die Bildungs- und Lehraufgabe, die Beiträge zu den Bildungsbereichen, die didaktischen Grundsätze sowie der aktuelle Lehrplan bestmöglich abzudecken. Eine einschneidende Entwicklung der letzten Jahre lässt sich besonders deutlich an den früher zielorientierten und jetzt kompetenzorientierten Lehrplänen nachvollziehen. Gollenz Physik war eines der ersten Lehrbücher, welches darauf umgestellt wurde. Für uns war es hier sehr wichtig, eine enge Verbindung zwischen Kompetenzen und Inhalten herzustellen, um Verständnis und vor allem Nachhaltigkeit zu erreichen.

Erich Reichel: Unterricht generell und der Physikunterricht im Speziellen muss sich neuen Herausforderungen stellen. Die zu vermittelnden Inhalte müssen so gestaltet werden, dass die Schülerinnen und Schüler als mündige Bürgerinnen und Bürger auf neue Lebenssituationen gut vorbereitet werden, also über eine gute naturwissenschaftliche und technische Allgemeinbildung verfügen. Dazu gehört natürlich auch das Wissen über die Art und Weise, wie man in einer Wissenschaft überhaupt zu Erkenntnissen kommt. Es ist aber auch wichtig, das gelernte Wissen kritisch zu hinterfragen und Auswirkungen zu bewerten. Dabei spielt die Kompetenzorientierung des Unterrichts eine bedeutende Rolle. Dazu kommen aber auch Diversität und die Genderproblematik, die besonders berücksichtigt werden müssen. Diesen und vielen anderen Aspekten eines zeitgerechten Physikunterrichts muss ein Physiklehrbuch entsprechen. Daher werden von uns gerade diese Ansätze sehr stark bei der Bearbeitung bewährter Inhalte und Erstellung neuer Inhalte berücksichtigt. Auch wird im Rahmen der Neubearbeitung eine zeitgemäße, altersgerechte Sprache verwendet.

Stefan Zunzer: Meiner Meinung nach sind die Zeiten von „Formeln auswendig lernen“ vorbei. Informationen können jederzeit und überall abgerufen werden. Wenn es jedoch darum geht, diese Informationen richtig zuzuordnen, zu verstehen und gar in unterschiedlicher Art und Weise anzuwenden, dann kommen Schülerinnen und Schüler schnell an Grenzen. Es sind die aktuellen Herausforderungen des Physikunterrichts, Schülerinnen und Schülern hier Wege aufzuzeigen. Ebenso ist es essentiell, kritisches Denken zu fördern, indem das gelernte Wissen hinterfragt und überprüft (vgl. Experimente) wird.

 


Magazintipp

Viele interessante Fragen warten noch auf eine Antwort: Das Autoren-Team von Physik Gollenz spricht über Rollenverteilung im Schulbuchbearbeitungsprozess und Lieblingsseiten – ein Interview.