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Die Schönheit der Mathematik entdecken: Das war das 7. Symposium mathe 2000+

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Mit dem Zahlenbuch Band 4, der im Herbst vorgestellt wurde, ist die erfolgreiche Reihe „Das Zahlenbuch“ nun komplett neu überarbeitet. Ein guter Grund wieder zu einem Symposium mathe 2000+ zu laden – bereits zum siebenten Mal! Anregende Vorträge zum Blitzrechnen und zum digitalen Unterricht mit dem Zahlenbuch sowie interessante Workshops mit konkreten Tipps aus der Schulpraxis lockten fast 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 18. November zur Veranstaltung.

Das Zahlenbuch ist in den letzten Jahren zu einem Standardwerk für jene geworden, die Mathematik mit einem starken Alltagsbezug und einem tiefer gehenden Verständnis unterrichten möchten. Für jene die das Ziel haben Begeisterung für Mathematik zu wecken und den Kindern die Schönheit der Mathematik nahezubringen.,

so Angelika Höllriegl, öbv-Programmleiterin, in ihren einführenden Worten in der Fakultät für Mathematik der Universität Wien. Im Eröffnungsvortrag gleich im Anschluss ging es um das Blitzrechnen als zentrale Methodik.

Unter dem Motto „Mathematik ist überall“ fanden danach vier spannende und praxisnahe Workshops statt. Dabei wurde gezeigt, wie Kinder ermutigt werden können, ihre Umwelt mathematisch zu erforschen und sich kreativ mit mathematischen Fragen auseinanderzusetzen, damit Mathematik zu einem selbstverständlichen Teil ihrer Lebenswelt wird.

Am Büchertisch bestand zudem die Möglichkeit sich umfassend über alle Materialien zum Zahlenbuch und zum Programm mathe 2000+ zu informieren und zu schmökern.

Eröffnungsvortrag

Sabine Meyer, Lehrerin an einer Referenzschule für das Zahlenbuch, hielt den Eröffnungsvortrag „Blitzrechnen als Dreh und Angelpunkt eines erfolgreichen Mathematikunterrichts“. Dabei präsentierte sie anschaulich, wie sowohl die Blitzrechnen-Karteien als auch die Blitzrechensoftware dazu beitragen können, dass Kinder ein Verständnis für grundlegende mathematische Kompetenzen entwickeln. Sabine Meyer berichtete über den konsequenten Einsatz des Blitzrechnens in ihrem Mathematikunterricht und wie auch Eltern von der Notwendigkeit des regelmäßigen Trainierens überzeugt und als Rechentrainer geschult werden können.

Grundlegende Übungen dienen dazu den neuen Stoff mit dem Vorwissen fest zu verankern, damit er für das weitere Lernen sicher und schnell verfügbar ist. Sie sind wichtig für den Aufbau von Verständnis.

Wenn die Grundfertigkeiten im Mathematikunterricht gefestigt werden, haben die Kinder die nötige Sicherheit, um kreativ an mathematischen Aufgaben zu arbeiten. Sabine Meyer betonte, dass Kinder praktische Erfahrungen machen und durch bildliche Darstellungen oder aktives Ausprobieren Mathematik begreifen. Daran sollte sich ein erfolgreicher Mathematikunterricht orientieren.

Die Präsentation zum Vortrag und Empfehlungen zum Programm mathe 2000+ für einen erfolgreichen Mathematikunterricht finden Sie am Ende des Artikels.

Workshops

Im Workshop von Isabella Breschan, die als Förderlehrerin und in der LehrerInnenausbildung in Kärnten tätig ist, ging es um die Frage wie man offene Schätz- und Fermiaufgaben in den Unterricht einbauen kann. Nach einem kurzen theoretischen Überblick gab sie Tipps für den praktischen Einsatz dieser Übungen. Oberste Priorität hat dabei der Bezug zur Lebenswelt der Kinder. So kann zB eine Frage lauten: „Wie viele Cornflakes sind in einer vollen Packung?“. Für die Beantwortung solcher Fragen sollten Arbeitsmittel wie Waage, Messbecher, Meterstab u.ä. zur Verfügung stehen. Die Kinder können die Fragen zusammen in der Klasse oder in (bewusst zusammengestellten) Teams diskutieren und Lösungsansätze finden. Der Lösungsweg soll begründet und das Ergebnis auf seine Sinnhaftigkeit geprüft werden.

Wichtig ist, dass die Lösung nur eine Annäherung ist und es nicht nur ein richtiges Ergebnis geben kann. Das nimmt den Kindern den Leistungsdruck.

Ein Vorteil dieser Aufgaben ist auch, dass sie durch kleine Variationen problemlos für schwächere Schülerinnen und Schüler vereinfacht werden können. Im oben genannten Beispiel kann man durch Veränderung der Ausgangssituation „Wie viele Cornflakes sind in dieser Müslischale?“ zB leicht den Zahlenraum einschränken.

Sabina Fischnaller ist Montessori- und Kindergartenpädagogin und an der Fakultät für Bildungswissenschaften in Bozen tätig. In ihrem Workshop ging es um die sinnliche Erfahrung mit Raum und Form und darum, wie man räumliches Denken und das Erfassen des Konzepts Form durch Materialarrangements aufbauen kann.

Kinder sollen sich selbst im Bezug zum Raum wahrnehmen, bevor sie die verschiedenen geometrischen Formen kennenlernen.

Frau Fischnaller demonstrierte, wie sie Kindern die verschiedenen Formen erklärt und gab praktische Tipps, wie man Formen im Unterricht erlebbar machen und mit ihnen arbeiten kann. Beispielsweise kann man mit einfachen Mitteln wie Strohhalmen und Zeitungen selbst geometrische Figuren herstellen oder mit Sitzwürfeln Gebäude nachbauen.

Mit zahlreichen mitgebrachten Materialien aus Sabina Fischnallers Unterricht konnten die TeilnehmerInnen und Teilnehmer dann selbst aktiv mit Formen experimentieren und so Anregungen sammeln.

Ein Kind als rechenschwach zu bezeichnen ist falsch. Kinder rechnen in unterschiedlichen Tempi und haben unterschiedliche Voraussetzungen.,

so Franz Korn, Zahlenbuchmultiplikator der ersten Stunde, Berater und Autor für das Zahlenbuch und Volksschuldirektor in Niederösterreich. In seinem Workshop ging es darum, dass Kinder oft bis in die Sekundarstufe das Umwandeln von Größen mehr als ein Rate- und Glücksspiel betreiben, anstatt die grundlegenden Zusammenhänge zu verstehen. Daher ist es für ihn von großer Bedeutung, dass Schülerinnen und Schüler einen aktiven Mathematikunterricht erleben, um die notwendigen Kompetenzen zu erwerben. Das kann zB mit einer Schnur realisiert werden, welche die Kinder jeweils auf zehn Meter Länge zuschneiden, um damit Entfernungen abzuschätzen, die sie später im Schulhof oder Schulort durch Abgehen körperlich erfahren und erst dann mathematisch abstrahieren.

Kinder müssen Erfahrungen sammeln. Das Zahlenbuch unterstützt bei dieser Aufgabe.

Das Zahlenbuch regt zu diesen Erfahrungen an, indem es entsprechende Aufgabenstellungen und Raum für individuellen Unterricht bietet. Dabei können laut Franz Korn die Lehrenden Prioritäten setzen und sich auf Basiskompetenzen konzentrieren.

Sabine Eller, Beraterin und Autorin für das Zahlenbuch und Volksschullehrerin in Tirol, zeigte in ihrem Workshop wie Schülerinnen und Schüler über Kunst und Architektur mathematische Erfahrungen machen und dadurch ein besseres Zahlenverständnis erreichen können. Insbesondere in der ersten Klasse kann die Beschäftigung mit der Geometrie die Raum-Lage-Wahrnehmung bei Kindern stärken, welche große Bedeutung für einen erfolgreichen Schreib- und Leseerwerb hat.

Wichtig ist, der Geometrie mehr Raum und Zeit im Unterricht zu geben.

TIPP: Geometrieaufgaben sind im Zahlenbuch im Inhaltsverzeichnis und in der Fußzeile der jeweiligen Seite blau markiert.

Am besten gelingt dies durch die Verbindung zum Werk- bzw. Kunstunterricht. Die Inhalte sollen spielerisch in Teams, Gruppen, als Klasse oder ganze Schule erarbeitet werden. Schülerinnen und Schüler können Formen aus verschiedenen Materialien (zB. aus Zeitungspapierrollen und sternförmigen Bierdeckeln) selbst herstellen oder Skulpturen aus geometrischen Formen bauen (Tipp: Nach abgelaufenen Gipsbandagen in Apotheken oder Ordinationen fragen). So werden die Kinder selbst schöpferisch tätig, können beobachten, lernen zu ordnen und zu strukturieren, steigern ihr Orientierungsvermögen, lernen Zeichengeräte zu gebrauchen und schaffen Querverweise zur Arithmetik.

Eine gelungene Zusammenstellung der Workshops mit vielen praktischen Beispielen, Übungen und Umsetzungsvorschlägen.


Kompetente Vortragende und interessante Themen!


Schade, dass die Zeit nicht für alle 4 Workshops reicht.

Mit diesen positiven Rückmeldungen ging der intensive Symposiumstag zu Ende. Für uns ein Auftrag schon jetzt über das 8. Symposium mathe 2000+ nachzudenken!

Fotos vom 7. Symposium mathe 2000+
Präsentationen und weiterführende Links
Tags : Zahlenbuch