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Alles nach (Lehr-)Plan?

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Im Herbst 2023 sollen neue Lehrpläne in Kraft treten. Verordnet sind sie aber noch nicht. Werden Lehrende im Herbst also keine aktuellen Schulbücher zur Verfügung haben? Maximilian Schulyok, Geschäftsführer des Österreichischen Bundesverlags (öbv), beruhigt im Interview: Die neuen Schulbücher werden rechtzeitig fertig sein.

Demnächst wird es neue Lehrpläne geben. Ab wann sollen sie gelten und für wen?

Die neuen Lehrpläne sollen ab dem kommenden Schuljahr, also ab Herbst 2023 in Kraft treten. Sie betreffen Volksschule, Mittelschule und AHS-Unterstufe. Genaugenommen sind im ersten Schritt nur die jeweils ersten Klassen betroffen. Für sie gilt der neue Lehrplan ab Herbst 2023. Damit Schülerinnen und Schüler, die bereits mit den bisherigen Lehrplänen unterrichtet werden, nicht plötzlich auf einen neuen Lehrplan umgestellt werden, treten Lehrpläne immer gestaffelt in Kraft: Ab 2024 gelten die neuen Lehrpläne für die zweiten Klassen, ab 2025 für die dritten Klassen und so weiter.

Foto: Fotolia
Der Lehrplan ist noch gar nicht verordnet. Die Entwicklung eines Schulbuchs nimmt jedoch normalerweise mindestens zwei Jahre in Anspruch. Heißt das, die Lehrkräfte stehen im Herbst ohne aktuelle Schulbücher da?

Nein, keine Sorge! Wir haben früh genug Informationen zu den geplanten Änderungen bekommen, sodass wir die fertigen Schulbücher zum neuen Lehrplan rechtzeitig zum Inkrafttreten an die Schulen bringen können. Wenn wir darauf warten würden, dass alles beschlossen ist, hätten wir keine Chance gehabt. So aber haben wir sehr frühzeitig basierend auf vorläufigen Entwürfen unsere Schulbücher auf den neuen Lehrplan abgestimmt und auch neue Reihen optimal daran angepasst. Sobald der Lehrplan offiziell verordnet ist, können wir letzte Adaptionen vornehmen und sofort in die Produktion gehen. Uns ist klar, dass ein neuer Lehrplan für die Lehrenden ohnehin viel Arbeit und Umstellung bedeutet und dass sie ohne entsprechende Lehrwerke nicht sinnvoll unterrichten können. Es ist uns wichtig, sie als verlässlicher Partner zu unterstützen, zumal ihre Situation angesichts von Lehrer*innenmangel und Co. ohnehin herausfordernd ist. Deswegen haben wir unser Möglichstes getan, um die Unsicherheiten und Verzögerungen abzufedern. Solange sich nicht noch etwas ganz Wesentliches ändert, sind wir auf der sicheren Seite.

Woher weiß ich, ob ein Schulbuch des öbv dem neuen Lehrplan entspricht?

Die Lehrkräfte brauchen sich keine Sorgen zu machen: Jedes öbv-Lehrwerk für die ersten Klassen in der Schulbuchliste 2023/24 für Volksschule, Mittelschule und AHS-Unterstufe entspricht dem neuen Lehrplan. Zu erkennen ist das ganz einfach: Alle diese Lehrwerke sind mit dem Label „Alles nach Lehrplan“ gekennzeichnet. Dadurch erkennt man auf den ersten Blick, dass der neue Lehrplan damit bestens abgedeckt ist.

Was bedeutet ein neuer Lehrplan für ein Bildungsunternehmen?

Ein neuer Lehrplan bedeutet nicht nur für die Schulen, Lehrer*innen und Schüler*innen eine Veränderung. Wir als Bildungsunternehmen sind gefordert, uns sehr intensiv damit auseinanderzusetzen. Unsere Redaktionen beschäftigen sich mit den veränderten Rahmenbedingungen und überlegen sich gemeinsam mit den Autor*innen, wie diese für das jeweilige Lehrwerk bestmöglich umgesetzt werden können. So wird Kapitel für Kapitel entsprechend erarbeitet oder überarbeitet. Normalerweise dauert die Entwicklung eines Lehrwerks etwa zwei Jahre. Sobald ein Schulbuch inhaltlich fertiggestellt und gelayoutet ist, durchläuft es einen Approbationsprozess, in dem eine Kommission aus vom Bildungsministerium bestellten Expert*innen prüft, ob sämtliche Anforderungen lehrplan-konform umgesetzt wurden. Somit können Lehrer*innen entspannt mit den Lehrwerken des öbv unterrichten, mit der Sicherheit, dass alles Neue berücksichtigt und im wahrsten Sinne des Wortes eingebunden wurde.

Wie sind die neuen Lehrpläne inhaltlich zu bewerten?

Die grundlegenden Ansätze der neuen Lehrpläne sind gut. Kritisiert wird jedoch unter anderem, dass sie nicht klar genug formuliert sind, außerdem unrealistisch und praxisfern. Im Schulalltag nicht leicht umzusetzen werden die überfachlichen Kompetenzen und fächerübergreifenden Themen sein. Kompetenzorientierung statt reiner Wissensvermittlung ist grundsätzlich sinnvoll, um junge Menschen auf eine volatile Zukunft vorzubereiten. Aber ohne genügend Zeit und ein sinnvolles Konzept werden es die Lehrenden schwer haben, zusätzlich zu ihren Fachinhalten auch soziale Kompetenzen, Umweltbildung und vieles mehr mitzuvermitteln. In die Lehrplan-Erarbeitung müssten daher mehr Menschen aus der Praxis einbezogen und ihre Einschätzung ernst genommen werden. Auch parteipolitisches Hickhack behindert häufig dringend nötige Reformen im Bereich der Bildung. Was aber vor allem problematisch ist: Weil die Erarbeitung der Lehrpläne vor der Corona-Pandemie begonnen hat, sind sie dadurch inzwischen bereits wieder überholt. Die Verzweiflung der Lehrkräfte kann ich da durchaus nachvollziehen. Sie geraten angesichts der sich ständig verändernden Anforderungen immer mehr unter Druck.

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Hintergründe zu den neuen Lehrplänen

An den neuen Lehrplänen wird bereits seit dem Jahr 2018 gearbeitet. Bekanntgegeben wurde der Plan zur Erneuerung vom damaligen Bildungsminister Heinz Faßmann im Frühjahr 2021. Die Verordnung war ursprünglich bereits für den Herbst 2021 geplant. Mit einer Verzögerung von vielen Monaten gingen die neuen Lehrpläne jedoch erst von Juli bis September 2022 unter Bildungsminister Martin Polaschek in die öffentliche Begutachtung. Aktuell werden die Rückmeldungen eingearbeitet. Demnächst sollen die neuen Lehrpläne final verordnet werden. (Stand: November 2022)

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Infos zu den neuen Lehrplänen und passende Lehrwerke dazu finden Sie hier.

 

 

 

 

 

 

 

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